Pioniergeist zahlt sich aus

(Husumer Nachrichten, Ausgabe 3. Dezember 2014)

Das Nordsee-Internat in St. Peter-Ording nimmt seit 2011 auch Diabetiker auf – mittlerweile werden 14 Betroffene betreut.

ST. PETER-ORDING Nicht jedes Internat nimmt chronisch kranke Schüler auf, stellt deren Betreuung doch hohe Anforderungen an Organisation und Personal. Eines der wenigen Häuser in Deutschland, das sich auf die besonderen Bedürfnisse von an Diabetes erkrankten Kindern und Jugendlichen eingestellt hat, ist das Nordsee-Internat in St. Peter-Ording. Seit 2011 bietet es Plätze für die Betroffenen an – als einzige Einrichtung in Norddeutschland. Mit vier Schülern begann es damals, heute werden 14 im Alter zwischen zwölf und neunzehn Jahren betreut. Wie alle anderen Jungen und Mädchen des Internates besuchen sie die Nordseeschule im Ort. An Diabetes mellitus chronisch erkrankte Jugendliche haben es in der Regel mit drei Problemkreisen zu tun: gesundheitliche Beeinträchtigung, durch Fehlzeiten erhöhte persönliche Anforderung in der Schule und vor allem durch die Erkrankung auch emotionale familiäre Belastungen. Von vornherein müssten diese Gegebenheiten im Konzept der Einrichtung berücksichtigt werden. So musste auch für die ärztliche Versorgung einschließlich einer angemessenen Betreuung während der Nacht Vorsorge getroffen werden. Diese wird von Nachtschwestern wahrgenommen. Mit dem Westküstenklinikum Heide gibt es eine Kooperationsvereinbarung. Ruth Daemberg-Thomas, ausgebildete MTA, ist Teamleiterin Diabetes. Mit Dr. Ansgar Nokodian und seiner hausärztlichen Praxis in St. Peter-Ording steht tagsüber zusätzlich ein Ansprechpartner bereit.

Rüdiger Hoff, pädagogischer Leiter des Internats, weiß, dass insbesondere bei den Diabetikern ein großes Maß von Eigenverantwortung immense Bedeutung hat. Die betroffenen Jugendlichen müssen vor allem lernen, die Art ihrer Erkrankung zu akzeptieren, die vereinbarten Therapieziele zu verfolgen sowie regelmäßig Blutzuckermessungen und Insulin-Injektionen vorzunehmen. Aufgrund der ersten positiven Erfahrungen ließ sich das Team des Internats dann auf die Betreuung weiterer jugendlicher Diabetiker ein und sah sich durch Erfolge bestätigt: Bei den Langzeitzuckerwerten ist eine deutliche Verbesserung festzustellen, die schulische Entwicklung gestaltete sich bisher mit wenigen Ausnahmen extrem positiv und in den Familien trat dazu eine massive Entspannung ein.

Die gute Arbeit des Nordsee-Internats sprach sich herum. Im Oktober meldete sich der internationale Medizingeräte-Hersteller Bemer, um sich vor Ort einen Einblick zu verschaffen. Sehr angetan von dem Besuch entschied sich das im Fürstentum Liechtenstein ansässige Unternehmen für eine Unterstützung des Diabetes-Projektes. Die Bemer International AG ist innerhalb der medizintechnischen Brache tätig, betreibt und fördert Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Mikrozirkulation und entwickelt physikalische Behandlungsverfahren zur positiven Beeinflussung der Durchblutung, die bei Diabetikern meist erheblich beeinträchtigt ist. Mit einer Spende in Höhe von 10.000 Euro und zwei Geräte-Sets für die physikalische Gefäßtherapie bereitete der Leiter Kommunikation, Michael Hampel, dem Nordsee-Internat jetzt eine große Freude. Hampel wurde von Prof. Dr. Dr. Fred Harms, Mediziner und Biochemiker an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien sowie Vizepräsident der Europäischen Stiftung für Gesundheit, begleitet.

Rüdiger Hoff und Christian Karow, wirtschaftlicher Leiter des Internats, wie auch die Mitarbeiterinnen Ruth Daemberg-Thomas und Wilma Welke bedankten sich für diese Anerkennung. Die Arbeit geht weiter. Unter anderem mit Hilfe der Spende erweitert das Internat aktuell sein Kontingent, um zum zweiten Schulhalbjahr weitere Diabetiker aufnehmen zu können. Mehrere Anfragen und Vormerkungen liegen bereits vor.

 
 

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